Mein Beitrag zur Blogparade von Christina Wenz (Mediatorin)

Konflikte begegnen uns überall: in der Familie, im Freundeskreis, in Unternehmen, in der Schule, beim Sport, in Vereinen etc. Sie tragen dazu bei, dass sich Beziehungen zwischen den Konfliktparteien verschlechtern. Oft werden auch Außenstehende in den Konflikt hineingezogen, weil sie Partei ergreifen oder weil es von ihnen erwartet wird, dass sie sich „auf eine Seite schlagen“.

Wäre es nicht toll, wenn du quasi per Fingerschnipp einen Konflikt lösen kannst?

JA, das wäre es! Ich muss dich an der Stelle enttäuschen, denn so einfach ist es leider nicht. Falls du jedoch meine Tipps beherzigst, wirst du mit Konfliktsituationen künftig besser umgehen können.

Here we go!

 

TIPP #1:             Räumlichen und zeitlichen Abstand schaffen

 Wenn Konflikte hoch kochen, empfiehlt es sich für Abstand zu sorgen. Abstand, sowohl räumlich als auch zeitlich hilft beiden Parteien, wieder „runter zu kommen“.

Im Affekt, also mitten im hitzigen Streit, neigen wir Menschen häufig dazu, Dinge zu sagen, die wir später bereuen.

Das lässt sich auch auf die schriftliche Kommunikation übertragen. Wenn du eine E- Mail oder einen Brief erhältst, über dessen Inhalt du dich ärgerst, empfehle ich dir auch hier, diesen ersten Ärger vorbeiziehen zu lassen und gern auch eine Nacht drüber zu schlafen. Das gesprochene oder geschriebene Wort kann man nicht mehr zurücknehmen. Man kann sich später zwar entschuldigen oder Erklärungsversuche machen, manchmal bleibt die Beziehung trotzdem empfindlich gestört.

 

Tipp #2:             Das gesprochene / geschriebene Wort nicht auf die Goldwaage legen

 Was ich häufig erlebe, ist, dass schriftliche Nachrichten zu Ver(w)irrungen führen.

Wenn Beziehungen ohnehin schon belastet sind und Missstimmungen in der Luft liegen, dann werden schriftliche Nachrichten (Mails, SMS) häufig falsch interpretiert. Dies führt in eine Spirale, die die Beziehung weiter verschlechtert.

Viele Menschen – möglicherweise gerade konfliktscheue – neigen dazu, Konflikte schriftlich lösen zu wollen. Davon kann ich nur abraten. Auch hier besteht die Möglichkeit, dass du falsch verstanden wirst, weil dein Gegenüber jedes Wort auf die Goldwaage legt. Im Zweifel hast du damit alles, sprich den Konflikt, nur noch schlimmer gemacht.

 

Tipp #3:              Reflektiere dein Verhalten

 Rufe dir ins Gedächtnis wie der Konflikt entstanden bzw. eskaliert ist.

Was ist im Vorfeld passiert? Welchen Standpunkt vertrittst du? Wie waren deine Reaktionen?

Gehe wirklich in dich und sei ganz ehrlich zu dir. Warum reagierst du wie du reagierst? Ist es ein Schutzmechanismus, den du in bestimmten Situationen aktivierst, um dich vor Angst, Zurückweisung, Zurechtweisung etc. zu schützen?

Nimm eine Metaposition ein und schaue auf dich und auf die Situation als wärst du ein unbeteiligter Dritter. Was würdest du jetzt über dich sagen? Sprich in der 3. Person von dir und formuliere Sätze wie:

Er / Sie verhält sich … Er / Sie handelt …

 

TIPP #4:             Versetze dich in die Lage des Anderen

 Dieser Tipp ist Gold wert, denn wenn du es schaffst, dich in die Lage des Anderen zu versetzen, nachdem du dich und dein Verhalten aus der Vogelperspektive betrachtet hast, wirst du ganz neue Erkenntnisse gewinnen, die dir helfen, den Konflikt zu verstehen und zu lösen.

Überlege dir, was den anderen antreibt und was in ihm vorgeht. Warum verhielt er sich in der Situation wie er es getan hat und warum?

Ja, ich weiß, du kannst nicht „in seinen Kopf gucken“ und kannst nicht alle Beweggründe und Motive erraten. Das ist auch gar nicht nötig. Es geht um das Große und Ganze und darum, dass du erkennst wie ihr wechselseitig aufeinander eingewirkt habt. Möglicherweise wirst du erkennen, dass du dich in seiner Situation ähnlich verhalten hättest, wenn du dir selbst gegenübergestanden hättest. Vielleicht erkennst du auch, dass der Konflikt der Situation und der äußeren Umstände geschuldet ist und nichts mit dir zu tun hat. Es kann auch sein, dass du erkennst, dass das Verhalten deines Gegenübers exakt durch dein Verhalten ausgelöst wurde.

Ich verspreche dir, dass du Aha- Erkenntnisse haben wirst, wenn du dich ernsthaft auf dieses Tool einlässt.

 

TIPP #5:             Gut vorbereitet ins Gespräch gehen

 Die wenigsten Konflikte lösen sich von selbst in Luft auf. Viel eher verstärken und verhärten sich Konflikte, wenn sie nicht aus dem Weg geräumt werden.

Die einzige Lösung ist also darüber zu reden. Bitte wähle einen guten Zeitpunkt für das Gespräch. Es sollte nicht unter Zeitdruck erfolgen.

Überlege dir genau, welche Punkte deiner Meinung nach angesprochen werden müssen.

Was ist dir wichtig? Welches Ziel hat dein Gespräch? (eine Klärung herbeiführen, gegenseitiges Verständnis erreichen, gute Zusammenarbeit wiederherstellen, …) Was möchtest du dem anderen unbedingt sagen?

Mach dir Notizen, wenn es hilfreich für dich ist.

 

TIPP #6:             Ein Treffen an einem neutralen Ort

 Räume & Orte haben einen größeren Einfluss auf uns als vielen bewusst ist.

In den eigenen Räumen fühlt man sich natürlich am sichersten. Daher ist es für den Konfliktpartner immer schwieriger, an einem „fremden“ Ort zu argumentieren. Denn das Gefühl des Unwohlseins, des sich nicht zu Hause fühlens, des nicht stark seins, wird in der Regel unterschwellig vorhanden sein.

Daher empfehle ich, dass beide Konfliktparteien einen für beide Seiten angenehmen Ort finden. Einen Ort, den beide Parteien als neutral empfinden und sich daher gleichranging im Gespräch gegenüberstehen können.

 

Wenn du meine Tipps in Konfliktsituationen beachtest und umsetzt, dann wirst du nach und nach zum Konfliktmeister. Denke daran: Übung macht den Meister! Versuche also, diese Tools zu deiner neuen Gewohnheit zu machen.

Sofern die Situation schon zu sehr festgefahren ist und du mit der anderen Konfliktpartei keine Klärung mehr erzielen kannst, empfehle ich dir, einen Mediator aufzusuchen. In einer Mediation werden diese schwierigen Situationen sehr gut unter Anleitung des Mediators aufgelöst.

Ich freue mich über deinen Kommentar. Schreib mir, was passiert ist, nachdem du meine Tipps angewandt hast.

Herzliche Grüße
Doris

Doris Reimann
Steuerberaterin | Strategieberaterin & Mentorin für Freiberuflerinnen

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